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05/01/2012
Wenn'sd ned spurst kommst ins Heim.
Warum ich mich engagiere?
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Mein Lebensweg hat mich an viele Stationen geführt. Aufgewachsen in den Siebzigern, Achtzigern und Neunzigern in Wien Favoriten, zwischen Fussballplatz am Wienerfeld, wilden Ziegelteichen, Baustellen und dem vom Gastarbeiterkindern »regierten« Reumannplatz. Wir organiserten uns alles, wir regelten alles, wir klärten alles, wir schafften alles. Wir hielten zusammen, immer. Jeder in seiner Rolle, jeder in seiner ganz bestimmten Kraft. »Die Bande der Freundschaft« war uns immer Heimat, Sicherheit, Höhle - oft mehr als der Zusammenhalt hinter den eigenen Wohnungstüren. Gewalt zwischen den Banden, zwischen den Nationalitätengruppen, Diebstahl. Die »gesunde Watschen«, Hausarrest, Sprechverbot kannten wir alle. Ja, wir wuchsen »Auge um Auge, Zahn um Zahn« auf. Auch. Wir Kinder wussten von Gewalt hinter der einen und anderen Wohungstür. Wir redeten über unsere Gefühle, und wir heiterten uns oft auf. »Der Schmäh« lief so gut wie immer, wir lachten viel. Und alles war für uns Kinder irgendwie »heile Welt«. Wir alle - fast alle - wohnten mit unseren Eltern, hatten Rückhalt und Heimat, Führung. Wir waren alle irgendwo »daheim« und eigentlich sehr frei.
Und da gab es diese Drohung, immer wieder mal hörten wir sie, mal von Eltern, mal vom unausstehlich grantigen Hausmeister, mal am Fussballplatz. Dieser Satz zog sich wie ein roter Faden durch unsere Gesellschaft: »Wenn'sd ned spurst kommst ins Heim.« Ich habe in diesen Tagen mit vielen Menschen darüber geredet, fast jeder kennt die Drohung aus seiner Jugend. Was ist da dran? Woher kam diese »Redewendung«?
Ich habe so viel gelernt in dieser Zeit, die Basis meiner heutigen beruflichen Kraft stammt aus dieser Zeit. ich habe gelernt »Wickel zu schlichten« - wie wir bei uns in Favoriten zu »Streit schlichten« sagen. Ich habe vor allem gelernt, für Gerechtigkeit einzustehen und Ungerechtigkeit nicht zu dulden, zu handeln, wenn verschwiegen, verdrängt, unterdrückt wird. Und ich habe Glück gehabt, viel Glück. Und mein Elternhaus. Dafür bin ich sehr dankbar.
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Ich lebe/sterbe. Schönstes Buch Österreichs 2003.
Thomas Andreas Beck, Eigenverlag.
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Januar 5, 2012 in utopische Realisierungen | Permalink
